Nachspielzeit

Spielbericht: P4P-Turnier in Sulzbach

Kein Kuchen für Topspieler

Ein Sieg im Amateur-Doppel kann wichtiger sein als ein Sieg im Offenen Doppel und Brusthaare können Spiele gewinnen. Zu diesen Erkenntnissen kam ZWEIFÜNFDREI-Autor Jonny Müller am 17. und 18. Juli in Sulzbach. Er stellt alle Gewinner vor und erklärt, warum Bayerns Ass Asimenia Kiroglu im Offenen Doppel nicht Erste werden darf.

Zielstrebig: Gilles Perrin
Zielstrebig: Gilles Perrin (mit Rucksack) strebt Siege an, wird am Ende zweimal Zweiter. Fotos: Bodo Fripan

Mit nichts im Gepäck außer dünnen Trikots, einer kurzen Hose und einer Badehose ging es dieses Jahr zur Baden-Württembergischen Meisterschaft nach Sulzbach. Die Angst vor 40 Grad Celsius in der Halle bei einer Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent war enorm. Der Vorschlag von Tim Ludwig, den Trainingstag vor dem Turnier zur Akklimatisierung in Alu-Folie eingewickelt zu absolvieren, konnte deshalb nicht mal als völliger Blödsinn abgetan werden. Zum Glück ist der Kickergott mit Petrus richtig dicke, denn im Vergleich zu den vorangegangenen Tagen konnten die Temperaturen schon beinahe als kalt bezeichnet werden - perfekt jedenfalls um im schönen Sulzbach Tischfußball zu spielen.

Kicker-Kapitän: Benjamin Herm
Kicker-Kapitän: Benjamin Herm im Hafen der Ehe und beim P4P-Turnier am Ruder.

Benjamin Herm war als ansässiger Sulzbacher der Turnierleitungs-Dirigent der Veranstaltung. Benni ist seit Mai frisch verheiratet, auch wenn man ihm das nicht ansieht, denn seinen Ring hat er vor dem Turnier "zum Tischaufbau" vorsichtshalber abgenommen. Obwohl er viel Zeit damit verbrachte, unartikulierte Laute von sich zu geben, Spaßaufrufe übers Mikro zu machen und schweinische Witze zu erzählen, hatte er das Ruder immer fest im Griff. Einzelne Spieler, die das Turnier verzögerten, hatte er sogar unter besonderer Beobachtung, so dass das Offene Doppel schon am Samstag zu Ende gespielt werden konnte.

Besonders im Visier hatte er an diesem Wochenende Andreas Esterbauer. Gleich in drei Disziplinen hat der Ösiblitz an diesem Wochenende eingeschlagen. Im DYP holte er mit Partner Michael Kleinknecht in einem packenden Finale gegen Thierry Müller und Tyler Burgmann den ersten Platz. Zwei Sätze lang verzweifelte er an der Verteidigung Müllers, der die vielen Bälle nutzte um einen nach dem anderen von hinten zu verwandeln. Schon 0:2 in Sätzen zurück, stellte Esterbauer um, traf wieder und entschied das Spiel am Ende für sich.

Im Offenen Doppel mit Asimenia Kiroglou musste er sich am Ende nur den Perrins geschlagen geben, gegen die Kiroglu und Esterbauer in der Gewinnerrunde bereits verloren hatten. Besonders bitter kam der zweite Platz für Asimenia. Sie sammelt zwar Weltmeistertitel wie andere Briefmarken, doch der P4P-Pokal fürs Offene Doppel fehlt als einziger in ihrer Trophäensammlung. Wir wollen hoffen, dass ihr die Verwirklichung dieses Ziels nicht so schnell gelingt, damit sie uns beim Versuch es zu erreichen noch lange erhalten bleibt.

Der dritte Streich - und ich wage an dieser Stelle zu behaupten, dass es der wichtigste für ihn war - gelang Esterbauer im Amateur-Doppel. Spielerisch dieser Kategorie längst entwachsen, blieb ihm der Sieg in dieser Kategorie bis jetzt immer verwehrt. An der Seite von Hintermann Michael Heuwieser, dessen ruhiges Gemüt den hitzigen Ösiblitz vielleicht etwas gezügelt hat, gelang ihm nun endlich der längst überfällige Sieg in dieser Disziplin.

Hat gut lachen und die Ruhe weg: Simone Burkhardt
Hat gut lachen und die Ruhe weg: Simone Burkhardt holt an der Seite von Sexsymbol Marc Balic den Mixed-Titel.

Noch einer, der in Sulzbach endlich ein Ziel abhaken konnte, war Frank Brauns. Nach etlichen Gewinnen im Offenen Doppel holte er sich nun endlich den Sieg im Offenen Einzel. Im Finale schlug er aus der Verliererseite kommend den Schweizer Gilles Perrin mit 4:1. Geschossen hat er dabei im Finale, man höre und staune, nahezu ausschließlich Linkslang-Jet. Das Spiel gewann er aber nicht auf der Dreierreihe, sondern in der Mitte, wo er Perrin nach Belieben dominierte. Dementsprechend angefressen zeigte sich Gilles nach dem Spiel, war es doch schon das zweite Finale, das ihm bei diesem Turnier durch die Lappen ging. Im Mixed holte er sich "nur" Platz zwei mit Lena Schmidtbauer hinter Marc Balic und Simone Burkhardt.

Der Sieg von Marc im Mixed war allerdings nicht ganz lupenrein. Der fast bis zum Bauchnabel reichende Ausschnitt und die daraus hervorquellenden Brusthaare ließen die Verteidigerinnen dahinschmelzen wie Butter in der Sonne. Wenn man dann noch die wallende Haarpracht bedenkt, grenzt es fast an ein Wunder, dass überhaupt einer seiner Bälle gehalten wurde.

Im Vorfeld lange diskutiert, startete zum erstmalig in der Vereinsgeschichte der Versuch eines Pro-Doppels bei einem P4P-Turnier. Mir persönlich gefiel die Disziplin besser als das ProAm, da die Vergabe von Elo-Punkten zusätzlichen Anreiz bietet diese Disziplin ernst zu nehmen, was bei einem ProAm nicht unbedingt der Fall war. Zweite persönliche Bilanz des Pro-Doppels ist, dass Johannes Wahle stinkt. Er erdreistete sich doch mit Hubert „Hubi“ Weyer durch die Verliererrunde zu marschieren und das Finale mit 3:0 gegen Tim und mich zu gewinnen. Absolut unangebracht!

Bei den Damen gab es im Doppel ein Comeback. Nach eineinhalb Jahren Pause meldete sich Iris Kranz mit Partnerin Rebecca Moser zurück, die ihr erstes P4P-Turnier spielte. Dass sie nichts von ihrer alten Klasse verloren hatte, bewies Kranz mit einem Durchmarsch durch die Gewinnerrunde. Das Finale gewannen sie deutlich mit 2:0 gegen Stefanie Schmid und Melanie Moser, die sich über den zweiten Platz allerdings mindestens genauso sehr freuten wie die Gewinner über ihren Sieg. Im Einzel siegte P4P-Nationencup-Weltmeisterin Noemi Berkeczy aus der Schweiz vor Nicole Röttcher und Imke Queitsch.

Nach zwei dritten Plätzen bei der WM gelang dem aufstrebenden Christian Freystein mit Partner André Sekulla der Sieg im Neulinge-Doppel. Im Finale dominierten sie die Favoriten Benjamin Struth Struth und Daniel Sorger mit 3:0. Im Einzel schaffte es Thomas Tümp vor P4P Neueinsteiger Jens Heyens auf den ersten Platz.

Fehlt noch der Sieger im Amateur-Einzel. Mit immer noch schwarz-rot-gold gefärbten Haaren hieß dieser in Sulzbach Andreas Hubatsch. Das dreitägige Training zusammen mit seinen Brüdern bei Thierry Müller hatte sich offenbar gelohnt. Platz zwei und drei gingen an Hans Thumann und Christian Heber und damit ebenfalls nach Bayern.

Kleine Randbemerkung: Die vermeintlich sechsmonatige Alkoholabstinenz Niclas Grotes ist inzwischen vorzeitig beendet. 1000 Euro Wetteinsatz musste er aber nicht berappen, er und einer seiner Mitstreiter sind im Laufe der Fußball-WM zu dem Ergebnis gekommen, dass es ein ziemlich bescheuerter Zeitpunkt ist, um Prohibition zu spielen wenn sich das restliche Land im Ausnahmezustand befindet. Der dritte im Bunde befindet sich aber noch mitten im Kampf, wir wünschen ihm für die nächsten Monate alles Gute.

In Sulzbach Gäste, in Zürich Gastgeber: die Schweizer
In Sulzbach Gäste, in Zürich Gastgeber: die Schweizer Fabio di Santo (links) und Oliver Guggemoos.

Obwohl mit 199 Teilnehmern nur verhältnismäßig wenige Spieler angereist waren, wurde es doch 21 Uhr, bis das letzte Spiel zu Ende ging. Die immer gleichen Namen in den vorderen Platzierungen blockierten sich am Sonntag gegenseitig, sodass es sich am Schluss in die Länge zog.

Dafür wurde für die Zuschauer gegen Turnierende der restliche Kuchen verteilt. Ein Spieler, der unter dem Decknamen "zieherschießender Topspieler" anonym bleiben möchte, wies allerdings den Kuchen mit diesen Worten an die leicht mollige Überbringerin zurück: "Nein danke, Kuchen macht dick. Iss du den mal." Ansonsten wurde der Kuchen ohne weitere Ausschreitungen dankend angenommen.

Wie immer kümmerte sich Oliver Meier mit einer Schar freiwilliger Helfer um die Spieler. Gegrilltes, Salate, belegte Semmeln, selbst gebackener Kuchen und kühle Getränke standen allen Besuchern rund um die Uhr gegen günstige Preise zur Verfügung. Besonders die Herzlichkeit, mit der die Sulzbacher die Gäste bewirten, sorgt jedes Jahr für gute Stimmung auf dem Turnier.

Damit geht es nun in die Sommerpause, nächster Zwischenstopp der P4P-Tour sind die Swiss Open in Zürich. Darauf müssen sich die Spieler aber bis September gedulden. Wer es bis dahin nicht aushält, kann vom 7.-8. August nach Hannover fahren und dort den neuen Kicker testen, den Hersteller Leonhart für die Bewerbung zum neuen P4P-Tisch ins Rennen schickt. Die Entscheidung, welches Modell es wird, soll bereits Ende dieses Monats fallen. Man darf gespannt sein.

27.07.2010, Text: Jonny Müller, Fotos: Bodo Fripan

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