Mittwochsmeinung

Meinung: Gegen die Geschlechtertrennung

Der Kampf Mann gegen Frau

Auf dem Tennisplatz gibt es sie, im Boxring natürlich und auch in den Mannschaftswettbewerben des Tischfußballs: die Teilung in Frauen- und Männer-Wettbewerbe. Warum nicht auch in den Einzel-Tischfußballturnieren? Das erklärt ZWEIFÜNFDREI-Redakteur Holger Heitmann.

Szüle und Matsushita
Tischfußball-Traumpaar in gemeinsamer Mission: Christian Szüle und Katrin Matsushita

Die neue Frauen-Bundesliga des Deutschen Tischfußballbundes gilt schon etwa 72 Stunden nach der Siegerehrung als Erfolg: Spannende Spiele, engagierte bis euphorisierte Spielerinnen, ein vorher nicht vorhersehbarer Meister und glückliche Funktionäre. Wie heißt es so schön? Das war Werbung für den Tischfußball! Die Nationalmannschaften haben die Geschlechtertrennung schon vor mehreren Jahren vollzogen.

Große Spielerinnen
Große Spielerinnen: Sandra Ranff überlebensgroß auf dem WM-Siegerpodest, links unten ihre dänische Finalgegnerin Amalie Bremer

Dieser Schritt hat sowohl die Frauen-Teams als auch die Männer-Mannschaften aufgewertet. Die Herren-Ergebnisse sind nicht mehr von den zwei weiblichen Team-Mitgliedern abhängig, die Damen stehen nicht im Schatten einer mindestens zahlenmäßigen männlichen Übermacht. Stattdessen gibt es Duelle von quantitativ und qualitativ großen Frauschaften, wie bei Frankreich gegen Deutschland im WM-Halbfinale vor mehr als tausend Zuschauern. Da wäre doch der nächste Schritt, auch die Einzel- und Doppel-Disziplinen strikt nach Männlein und Weiblein zu trennen. Dieser Schritt ginge allerdings in die falsche Richtung.

Reine Damen-Doppel und -Einzel gibt es bereits, die durch Teilnahmerzahlen und mehr oder weniger aussagekräftige Ranglisten Bestätigung erhalten haben. Die offenen Disziplinen sollten dennoch offen bleiben und nicht zu Männer-Doppeln und Männer-Einzeln werden. Das hat die seit Jahr und Tag tischfußballspielende Asimenia Kiroglu erst Mitte Juli mit einem zweiten P4P-Platz im Offenen Doppel und einer daraus resultierenden Topten-Platzierung in der Gesamt-Rangliste bewiesen. Auch für den 40. Ranglistenplatz von Sandra Ranff, den sie nicht (nur)ihren Partnern verdankt, würde mancher männliche Spieler seine Großmutter verkaufen. Petra Andres ist ebenfalls unter den ersten 100, diesem Trio würde eine Trennung kaum gerecht. In der weltweiten Open-Double-Wertung des ITSF folgt Nadya Marinova immerhin an Stelle 115. Ein positives Signal an die ohnehin nicht allzu breite Masse der Spielerinnen wäre ein faktischer Ausschluss etwa vom Offenen Doppel auch nicht gerade.

Keine Männerdomäne: Nationalspielerin Petra Andres
Keine Männerdomäne: Nationalspielerin Petra Andres mitten im Mixed.

So sollte sich der Tischfußball eine Originalität leisten, die es in nicht vielen anderen Sportarten gibt: dass Männer gegen Frauen und Frauen gegen Männer antreten. Es hat sich zwar gezeigt, dass die besten Männer stets erfolgreicher als die besten Frauen sind, woran immer das liegen mag. Es sind aber keine oder kaum körperliche Geschlechterunterschiede ersichtlich, die einen institutionellen Split nötig machen oder auch nur rechtfertigen würden.

Vielmehr gibt es eine Institution namens Mixed, die sich großer Beliebtheit erfreut. Zumindest buhlen auch Elite- oder Prospieler um die raren Partnerinnen für diese Disziplin. Über deren sportlichen Wert kann man streiten, nicht über ihre Attraktivität und Akzeptanz. Deswegen ist das Mannschaftsmodell kein Vorbild für Einzel- und Doppelturniere.

27.07.2010, Text: Holger Heitmann, Fotos: Carsten Bogler, Micha Danielzik

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