Materialschlacht
Test: Modelle dreier Griffband-Marken
Alles im Griff
Von Micha Danielzik
Wenn es um Gripp am Griff geht, scheiden sich die Geister. Von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen - unvergessen das AD-Finale der P4P Europameisterschaft 2008, als Johannes Kirsch vollkommen ohne Equipment antrat - nutzt so ziemlich jeder ambitionierte Turnierspieler Hilfsmittel, um im entscheidenden Moment nicht vom Griff abzurutschen.
Dabei kann man grob in zwei Kategorien unterscheiden: Die Handschuh-Spieler und diejenigen, die „nackt“, also ohne Handschuhe antreten. Handschuh-Spieler nutzen meist Griffschläuche oder -gummis, was die wenigsten Nicht-Handschuh-Spieler tun. Das liegt vor allem daran, dass der Gripp mit Schlauch und Gummi zwar zunächst großartig ist, aber sofort verschwindet, wenn man anfängt, an der Hand zu schwitzen. Darum verlassen sich die meisten Turnierspieler, denen Handschuhe zu eng, hässlich oder einfach unangenehm sind, auf Griffbänder.
Griffbänder haben den Vorteil, dass sie den Handschweiß bis zu einem gewissen Grad aufsaugen und abhängig von ihrer Qualität auch nach vier hart umkämpften Sätzen den benötigten Halt am Griff bieten. Und wie bei vielen Dingen im Leben gibt es auch bei Kicker-Griffbändern nicht nur qualitative, sondern auch große preisliche Unterschiede.
Das Einsteigerprodukt
Die Standardbänder von Pro's Pro kamen vom Tennis zum Tischfußsport und sind aufgrund ihres geringen Preises beliebt. Kauft man sie beim Tennisversand in größerer Stückzahl, muss man weniger als 30 Cent pro Band bezahlen - doch entsprechend ist die Haltbarkeit. Hat man so ein Band einen Abend lang am Kickergriff und zieht es anschließend wieder ab, kann man es getrost in den Müll werfen, denn die Oberfläche ist an den Stellen, an denen sich das Band überlagert an der Rückseite klebengeblieben und dementsprechend zerstört. Bleibt so ein Band nur wenige Minuten auf dem Griff, kann man es noch meist ohne Schaden wieder abziehen und ein weiteres Mal nutzen. Der Gripp selbst ist recht gut, nur bei stark schwitzenden Spielern kommen die Pro's Pro Standard an ihre Grenzen, da sie sehr dünn sind und somit wenig Platz für die Schweißaufnahme bieten. Für solche Fälle kann man zum Pro's Pro „Aquazorb“ für ein paar Cent mehr pro Band greifen. Wie der Name schon sagt, saugen diese besonders dicken Bänder den Schweiß besser auf. Doch auch diese Bänder fühlen sich irgendwann an wie ein vollgesogener Schwamm. Dann ist es auch mit dem Gripp vor: darum im Zweifelsfall lieber eines mehr einpacken.
Neu auf dem Markt:
Griffbänder von Leonhart. Ganz in weiß, mit vielen kleinen Löchern, die den Feuchtigkeitstransport unterstützen sollen, werden sie vom altehrwürdigen deutschen Premiumtischhersteller für 1,49 Euro das Stück vertrieben. Auch hier gilt trotz Vertrieb durch eine Tischfußballmarke: Es sind eigentlich Tennisgriffbänder, die am Kickertisch ihren Dienst tun. Aufgrund ihres jungen Daseins ist ein Dauertest über Monate hinweg noch nicht möglich gewesen. In der Kneipe haben diese Bänder die tägliche Dauerbelastung von mehr als sieben Stunden über vier Wochen hinweg zumindest heil überstanden. Der Anblick hat sich aber verändert: Vom ursprünglichen Weiß war nur noch wenig zu erahnen. Und auch vom Gripp war nicht mehr viel zu spüren. Dieser war zu Beginn durchaus bemerkenswert, fast schon ein wenig zu klebrig.
Profi-Bänder von Promi-Spielern
TTR Masterwraps - die Buchstaben TTR steht für Todd, Terry und Rico. Während die beiden ersten Namen wohl nicht jedem etwas sagen, sollte zumindest beim dritten der Groschen fallen. Denn „Rico“ steht für Frédéric Collignon, den mit Abstand erfolgreichsten Tischfußballer der Welt. T-odd Loffredo und T-erry Moore gehören immerhin zu den besten Spielern in den Vereinigten Staaten. Die drei Topspieler haben eine Firma gegründet, die Griffbänder explizit für die Verwendung an Kickergriffen herstellt. Der Nachteil des TTR-Konzepts liegt auf der Hand: Es werden aufgrund der geringeren Nachfrage wesentlich weniger Bänder produziert, was den Preis in die Höhe treibt. Sicher bezahlt man beim Kauf eines Masterwraps auch noch für den Namen Collignon. Doch man muss diesen Bändern zugestehen, dass sie die besten sind. Ob dies den Mehrpreis von mehreren hundert Prozent rechtfertigt, muss jeder nach einem schnellen Blick in den eigenen Geldbeutel selbst entscheiden. Zur Orientierung: Ein einzelnes Masterwrap kostet um 2,50 Euro. Gegenrechnen darf der Edel-Spieler immerhin, dass die Bänder nicht nur ein Vielfaches kosten, sondern auch viel länger halten als andere Wickelbänder.