ABGEHÖRT
Emotional am Tisch: Liedermacher Götz Widmann
"Der Torsound ist nicht zu überbieten"
Der Musiker verrät, dass er nicht gern gegen Frauen verliert, dass Kickern wichtiger als ein Konzert ist und kennt den Unterschied zwischen Fußball und Tischfußball. Und dann fragt sein Support Kriss Cologne noch kritisch bei Götz Widmann nach.
Du bist oft auf Konzertreise. Die Tour nutzt Du zum Tischfußballspielen?
Wir schauen immer vorher auf Fooserama.de, wo man in einem Ort kickern kann. Wichtig ist uns, dass man in den Kneipen rauchen kann und dass die lange aufhaben. Wenn wir um 2 Uhr nachts vom Konzert kommen, haben wir natürlich einen gewissen Vorteil, weil wir noch nüchtern sind. Da schlagen wir auch mal einen der Profis. Es gab wirklich eine Zeit, da hatte eine erfolgreiche Tischfußball-Nacht für mich eine höhere emotionale Bedeutung als der Auftritt vorher.
Woher kommt dieser Reiz für Dich?
Ich bin halt ein alter Zocker. Zu Hause habe ich einen Kicker und auch einen Flipper. Bei beidem freue ich mich über gelungene Kombinationen. Beim Tischfußball kommt natürlich noch der Gegner dazu, der alles verändert. Als ich ein Kind war, hatten wir auch schon einen Tisch im Keller. Da haben wir zwar nur mit einem Korkball gespielt, aber fürs Stellungsspiel hat das schon etwas gebracht.
Welchen Tisch hast Du jetzt zu Hause?
Also, in meiner Wohnung in Bonn habe ich einen Garlando. So einen grün-weißen, aber ohne Glasplatte! Den habe ich extra aus der Schweiz importiert. In Bonn, wo ich wohne, spiele ich kaum in Kneipen. Ich bin ja nicht so oft zuhause, am häufigsten kickere in Ostermundingen bei Bern. Da wohnt meine Freundin. Die hat auch einen Kicker zu Hause und unsere Stammkneipe ist der Elchclub. Dort gibt es manchmal Turniere, zu denen dann immer ein paar echte Cracks kommen, die alles abräumen. Und da wird eben Garlando gespielt.
Spielst Du vorn?
Früher war ich im Sturm, aber mittlerweile geht meine Freundin Fabia nach vorn. Sie hat sich einfach konsequent geweigert nach hinten zu gehen und da musste ich es halt machen. Mir macht die Abwehr mittlerweile auch richtig Spaß: Einen Schuss von einem richtigen Profi zu halten kann genauso gut sein wie ein Tor zu schießen. Und der Sound eines Tors aus der Defensive ist nicht zu überbieten! Vorn spiele ich eher einen unkonventionellen Stil: Ich passe zwar meist aus der Mitte, schieße dann aber sofort, auch von der Außenfigur. Das sorgt oft für einen Überraschungseffekt gegen gute Spieler - zumindest für eine gewisse Zeit.
Wie ist Dein Verhältnis zu der Sportszene?
Naja, einerseits haben die Leute meiner Meinung nach oft einen übersteigerten Ehrgeiz, andererseits bin ich neidisch auf deren Technik. Ich habe noch nie länger als fünf Minuten allein geübt, vor tagelangem Training habe ich schon Respekt. Und ist ja auch ein Vergnügen, denen zuzuschauen. Ich selbst verliere auch lieber gegen einen guten Gegner, als 10:1 gegen einen schlechten zu gewinnen.
Was hältst Du vom Tischfußballer als solchem?
Das sind alles ganz nette Leute. Also, “alle” ist natürlich Quatsch, aber es ist schon toll, wen man übers Kickern kennen lernt. Viele sind freundlich und hilfsbereit, das ist eine angenehme Kultur, es wird mit Fair Play gespielt. Wobei ich nicht weiß, wie das auf Turnieren ist.
Naja, da wird Fair Play auch schon mal nicht ganz so hochgehalten. Du schreibst auch Songs mit Fußball-Anspielungen. Siehst Du Parallelen von Fußball und Tischfußball oder sind das für Dich ganz verschiedene Sachen?
Die Spiele haben durchaus die gleiche Basis, denke ich. In Spanien spielt man am Kicker nach den Farben der Figuren fast immer FC Barcelona gegen Real Madrid. Es geht auch beides an einem Abend: Wenn ich Fußball gucke, törnt mich das an, in der Halbzeitpause zu kickern. Und umgekehrt funktioniert das auch.
Und wie ist der Vergleich soziologisch gesehen, wenn man das denn so hochgestochen formulieren will?
Ich glaube schon, dass Tischfußball eine etwas intellektuellere Szene hat, da kommt ja auch mittlerweile ein Style-Faktor dazu. Kickern ist etwas unprolliger als Fußball. Prolls gibt es da natürlich auch...
Kriss Cologne: Und Tischfußball-Nerds, die nichts anderes machen.
Das ist dann noch eine Kategorie neben den Prolls, oder?
Ja, Prolls sind nicht so besessen. Prolls sind dafür zu lasch. Was noch dazu kommt: Kickern ist keine reine Männerdomäne. Da gibt es immer einen gewissen Frauen-Anteil, das finde ich gut. Wobei ich bei einem Gegentor durch eine Frau schon manchmal etwas mehr Probleme mit meinem Ego habe, gebe ich zu.
Kriss Cologne: Echt?
Ja, eigentlich Quatsch, manchmal ist das allerdings so. Ich gewöhne mich dann aber meistens relativ schnell daran. Gegen meine Freundin und ihre Partnerin Bettina hab ich am Anfang nur verloren, lag wohl hauptsächlich am Garlando und daran, dass in der Schweiz grundsätzlich ohne Mitteltore gespielt wird. Mittlerweile hab ich mich dran gewöhnt, ist besser geworden
Welche Musik hörst Du in einer Kickerkneipe am liebsten?
Ist mir eigentlich egal, die krieg ich eh nicht so mit in der Hitze des Gefechts. Deutsche Texte lenken mich allerdings ab, weil ich dann automatisch zuhöre. Wichtiger ist mir der Tisch, da haben wir mittlerweile gewisse Ansprüche. Es macht nicht jeder Antik-Kicker Spaß. Manche der Geräte haben natürlich einen eigenen Charakter, manche kleben aber einfach nur.
Und hast Du eine Getränke-Empfehlung? Deine Band hieß viele Jahre Joint Venture, wie ist das damit?
Meine Freundin sagt, nach zwei Bier und einem halben Joint bin ich am besten. Bei mehr Bier werde ich schlechter. Ich glaube, nüchtern spielt man schon am stärksten. Wie heißt es: “Winners don’t take drugs” (lacht).
Gibt es eigentlich auch etwas, was Dich am Tischfußball stört oder nervt?
(Denkpause) Nö, ich bin davon wirklich begeistert! Doch, diese Diskussion, ob Mitteltore zählen, finde ich anstrengend. Heute muss man halt beides können, Hauptsache ist, dass man sich einigt, im “Elch” in der Schweiz heißt es meist: “ohne Mitte”.
Bei größeren Turnieren sind Mitteltore erlaubt.
Ich will eh unbedingt mal endlich bei einem Turnier mitspielen!
Götz Widmann antwortete auf die Frage, ob er nicht einen Tischfußball-Song schreiben wolle, mit einem Blättern im Papierstapel vor ihm. Heraus zog er den Titel „Ich bin verliebt in meine kickerpartnerin”, dessen Text demnächst auf Zweifuenfdrei.de nachzulesen sein wird. Dabei kam ihm und Kriss die Idee, Kicker-Geräusche als Samples zu verwenden. Man darf gespannt sein.